Da is' das Ding!

 

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29. Jan. 2016

HSV - Bayern

Das neue Fußballjahr begann mit einem Abschied. Und mit der Erkenntnis, daß ich die Szenen aus Karlsruhe immer noch nicht sehen kann, ohne daß sich meine Kehle zuschnürt und ich feuchte Augen bekomme. Karlsruhe steht jetzt, gleich neben Fulham, in meinem emotionalen HSV-Giftschrank.

Wer momentan #ibes guckt, weiß vom ‘Zuschauerkandidaten’ David O., daß die Dinosaurier “irgendwie Scheiße gebaut haben, sonst wären sie ja wohl nicht ausgestorben”.

Beim Bundesliga-Dino hat diese Scheiße Marcelo Díaz mit jenem Freistoßtor am 1. Juni 2015 verhindert. Klar, daß es bei seinem Abschied gezeigt wurde. Klar, daß mir dabei ein Tränchen über die Wange kullerte. (Bei Minustemperaturen und Blitzeiswarnung. Gab dank Salzgehalt aber kein Glatteis im Gesicht…)

Und auch, wenn der chilenische Zauberfuß nur ein Jahr die Raute trug: Díaz wird immer ein Teil der HSV-Geschichte bleiben. So wie Uwe Seeler, dessen Fuß vorm Stadion steht. Und wie Hermann Rieger, dessen Hände als Abdruck darunter verewigt sind. Zwischen diesen und weiteren Erinnerungen an HSV-Helden müßte sich meiner Meinung nach jetzt auch ein Abdruck von den Eiern von Marcelo Díaz in den Walk of Fame einreihen.

Denn ohne ‘Tomorrow, my friend, tomorrow’ hätte der HSV letzten Freitag kein in rund 200 Länder übertragenes Heimspiel gegen den FC Bayern verloren, sondern irgendwo im Trainingslager ein Testspiel absolviert. Die zweite Liga ist nämlich noch in der Winterpause…

Zum Spiel selbst will ich gar nicht viel sagen. Der HSV hat das in meinen Augen mehr als ordentlich gemacht. Ich verstand auch die Wut bzw Enttäuschung von Trainer und Mannschaft nach Abpfiff. Es wäre durchaus auch ein Punkt drin gewesen.

Ein 1-2 gegen Bayern ist keine Schande. Und gemessen daran, was ich so vor dem Spiel schon an Hohn hörte, beliefen sich die allgemeinen Erwartungen ja eher auf irgendwas zwischen 0-5 und zweistellig.

Stattdessen dann also nur eine knappe Niederlage und die Erkenntnis, daß man auch mit zahlreichen Verletzten und einem Kader, der gesamt weniger wert ist als die Ersatzbank der Bayern, durchaus was hätte holen können.

Schade, daß es für Konjunktiv allein keine Punkte gibt.

31. Dez. 2015

1. Zugenommen oder abgenommen?
Ich boykottiere den Gang auf die Waage nach wie vor. Aus Gründen. Aber die Hosen passen immer noch… Und was nicht mehr paßt, wurde einfach nur zu heiß gewaschen. Ganz bestimmt!

2. Haare länger oder kürzer?
Erst länger, dann kürzer… Ich hab’s irgendwann tatsächlich mal zum Friseur geschafft.

3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Blind wie immer.

4. Mehr Kohle oder weniger?
Mehr.

5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger. Man kommt ja zu nix. Nicht mal zum Geld ausgeben!

6. Mehr bewegt oder weniger?
Wir laufen jetzt meist von mir zum Stadion und zurück. Also eindeutig mehr!

7. Der hirnrissigste Plan?
Nicht mehr nur mit, sondern auch mal gegen den Mister FIFA spielen zu wollen. Allerdings lerne ich dabei ne Menge und zwinge ihn immer häufiger in die Verlängerung. Und ab und an klappt’s sogar mit dem Sieg in regulärer Spielzeit…

8. Die gefährlichste Unternehmung?
Das Relegationsrückspiel. Ich war nicht vor Ort, aber das kann schon vorm Fernseher nicht gesund gewesen sein.

9. Der beste Sex?
Das 3:1 gegen Dortmund war schon ziemlich geiler Scheiß.

10. Die teuerste Anschaffung?
Egal, wie lange ich drüber nachdenke: Ich lande immer wieder gedanklich bei meiner Kaffeemaschine. Und die war auch nicht wirklich teuer. Wie gesagt: Man kommt ja zu nix.

11. Das leckerste Essen?
Saltimbocca alla Romana. (2015 zum ersten Mal gegessen und spontan zu einem meiner Lieblingsessen erkoren)
Neun Gänge im Januar.
Eine fangfrische Scholle in Büsum.

12. Das beeindruckendste Buch?
Ich lese zu wenig, um beeindruckt zu werden. Leider.

13. Der ergreifendste Film?
Stellvertretend für die 120 ergreifendsten Minuten:

14. Die beste CD?
Mal wieder keine einzige gekauft.

15. Das schönste Konzert?
Ich mag das “Mein Hamburg lieb ich sehr” aus zigtausend Kehlen kurz vorm Anpfiff sehr.

16. Die meiste Zeit verbracht mit…?
Arbeit. Sorgen. Rückenschmerzen.

17. Die schönste Zeit verbracht mit…?
Meiner Familie und dem Mister.

18. Vorherrschendes Gefühl 2015?
Muß ja.

19. 2015 zum ersten Mal getan?
Rumpsteak gegessen. In der Öffentlichkeit ein Kleidungsstück getragen, das ich selbst genäht habe. Büsum besucht.

20. 2015 nach langer Zeit wieder getan?
Beim letzten Spiel der Saison nicht mitgefahren. David Jarolim (schalalalala!) spielen sehen. Labbadia beklatscht. Billard gespielt. Im Kino gewesen.

21. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Sorgen. Rückenschmerzen. Die Rückkehr der Relegationsscheiße.

22. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Daß alles gut wird.

23. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Zeit.

24. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Zeit. Und das perfekte HSV-Trikot.

25. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
“…UND DA MÜLLER MIT DEM TOOOOOOOR!!! MIT DEM TOOOOOOOOR FÜR DEN HSV!!!! MÜLLEEEEEEEEEEER!!! NICOLAI MÜLLEEEEEEEEEEER!”

26. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Gefühlt habe ich 2015 in erster Linie geflucht und gepöbelt. Ähem.

27. 2015 war mit einem Wort…?
(Zu) anstrengend.

Und früher so: 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014.

11. Dez. 2015

Mit dem Adventskalender ist das ja so eine Sache. Steckt jeden Tag Schokolade drin, ist am Ende der Adventszeit die Hose zu eng und das Geschrei deshalb groß.

Damit es im Stadion auch bei ausverkauften Haus nicht zu eng wird, hilft sich der HSV deshalb traditionell mit einem Verlosungs-Adventskalender in Video-Form. Dieses Jahr gibt’s jeden Tag ein Filmchen, in dem Spieler, Trainer und Kinder im Dingsda-Stil Begriffe aus dem Fußball erklären.

Die kurzen Filme sind meist nett gemacht, die Spieler albern vor der Kamera rum und scheinen Spaß zu haben. So auch im fünften Törchen.

Grinsend erklärte unter anderem Michael Gregoritsch den Begriff “Chancentod”. Nachmittags fuhr ich ins Stadion, hoffte auf ein bis drei Punkte im Heimspiel gegen Mainz.

Da hatte ich die Rechnung aber leider ohne den Adventskalender gemacht. Der HSV erarbeitete sich zwar zahlreiche Chancen… Blieb dem Lösungswort des Tages allerdings treu. Allen voran: Gregoritsch.

Das Ende vom Lied ist bekannt, der HSV ging 1:3 unter… Gerade, als ich angefangen hatte, mich ans Gewinnen zu gewöhnen und beim Blick in die Tabelle nicht mehr von unten anzufangen.

Nun ja. Was lernen wir daraus? Es ist offenbar nicht ausgeschlossen, daß es eine direkte Verbindung zwischen dem Lösungswort im Adventskalender und der Wirklichkeit gibt.

Ich habe die letzten Tage gar nicht mehr reingeschaut. Wieso auch… Ich gehe davon aus, daß man beim HSV entsprechend reagiert hat.

Da wird Rene Adler das Wort “Stammtorwart” erklärt haben, und Drobny entweder das Wörtchen “Ersatzbank”, vielleicht aber auch “Rentenbescheid”. Lasogga ließ man vermutlich “Doppelpack” umschreiben, und Holtby “Torvorlage”. Die schwerste Aufgabe ist sicherlich Schippo zugefallen. Wie will man auch “Selbst, wenn man das nicht immer merkt: Ich weiß, wo das Tor steht” erklären?

Ach, egal. Am liebsten würde ich eh schon jetzt das Türchen für morgen öffnen, und hoffe, das Lösungswort dahinter heißt AUSWÄRTSSIEG.

8. Sep. 2015

Leuchtturm in Büsum

Das Jahr 2015 ist schon zu zwei Dritteln rum. Ich habe aus diversen Gründen allerdings immer noch 90% meines Jahresurlaubs zur Verfügung. Da sich daran vorerst auch nicht groß was ändert und ich endlich mal ein komplettes Wochenende frei hatte und kein Heimspiel anstand, haben der Mister und ich kurzfristig beschlossen, ans Meer zu fahren.

Ich bin ja Team Nordsee, seit ich denken kann. Bisher war ich allerdings immer in Niedersachsen.

Diesmal verschlug es uns für zwei Nächte nach Büsum. Ja, genau. Das ist da, wo die Krabben her kommen.

Sehr viel mehr wußte ich über Büsum auch nicht, als ich unsere Pension buchte. Büsum liegt an der Nordsee, so schlecht konnte es da also per Definition schon mal nicht sein.

Ich hab dann natürlich nochmal kurz nachgelesen, was man da so macht, außer Krabben puhlen, bevor wir los sind. Stellte ich raus: nicht viel. (Eine Homepage listete unter der Überschrift “Sehenswürdigkeiten Büsum” aus purer Verzweiflung sogar ein Hochhaus auf, das wenig kann, außer halt hoch sein. Das sorgte bei uns auch jedes Mal, wenn wir dran vorbei liefen für große Heiterkeit.)

Freitagabend fuhren wir also los, knapp eine Stunde Richtung Norden. Als wir an Growianen und Kühen vorbei kamen, setzte bei mir schon die Entspannung ein.
Am Ziel angekommen, haben wir kurz unser Zimmer bezogen und sind dann gleich wieder los. Gucken, ob die Nordsee da ist. Weil… Die ist wirklich NIE da, wenn ich ankomme. So auch diesmal… An beliebten Traditionen muß man schließlich festhalten :)

Deich!

Während die Nordsee langsam zurück kam, um uns zu begrüßen, spazierten wir gemütlich den Deich entlang.
Die, nunja, “Innenstadt” erkannten wir unschwer daran, daß auf einer Bühne ein schlechter Alleinunterhalter Helene-Fischer-Songs zum besten gab. Gerüchten zufolge habe ich sogar kurz ausprobiert, ob “Atemlos” erträglicher wird, wenn man mitschunkelt… (Nein.)

Den Ohrwurm bekämpften wir anschließlich vergeblich damit, daß wir “Hamburg Ciddy” von Maggers United auf “Büsum City” umtexteten.

Ein paar Meter weiter zeigte ein Wegweiser in Richtung FANTOMAS 2000. Das klang nach Superheldencomic, nach Zukunft, wenigstens nach einer Dorfdisko… war dann aber leider nur irgendein Klamottenladen. Nun ja.

Auf dem Rückweg, es war längst dunkel und Helene wurmte noch in meinem Ohr umher, kamen wir an einem Spielplatz vorbei. MIT SCHAUKELN!!!
Wir mußten dann unbedingt erst mal eine kleine Heimgeh-Pause einlegen, um im Dunkeln mit Nordseeluft um die Nase zu schaukeln und Sterne zu gucken. Großartigst.

Der Sonnabend begann mit einem extrem leckeren Frühstück in der Pension. Anschließend, das Wetter war super, ging’s wieder Richtung Deich. Ich kann ja gut nen ganzen Tag damit verbringen, am Deich zu sitzen und auf die Nordsee zu gucken. Oder einfach immer wieder den Deich auf und ab zu laufen.

Weil man sonst gar nicht so viel machen kann, taten wir das auch. Deich, Nordsee, Kutter, Leuchtturm. Ach, und natürlich mußte ich einem Krabbenverkäufer in die Krabbenkiste gucken. Ich kenn das ja nicht frisch vom Kutter, sondern nur ausm Supermarkt.

Krabben

Mittags gab’s eine Kaffeepause, anschließend haben wir uns mit Fischbrötchen und Bier in einen Strandkorb im Innenhof der Pension gesetzt und dank SkyGo und WLAN Bundesliga geguckt.
Die Laune haben wir uns davon auch nur minimal versauen lassen… und sind dann bald wieder los, geeenau, den Deich entlang.

Abends wollten wir Scholle essen. Und nach ein wenig umherirren, entschieden wir uns (Todesmutig, ohne vorher bei Yelp & Co. die Kritiken zu lesen!) für das Restaurant Spieskomer.

Es gab lecker Scholle, ich aß die ersten frischen Nordseekrabben meines Lebens und filetierte zum ersten Mal einen Fisch. Mehr oder minder unfallfrei.

Während ganz Büsum und Umgebung den Abend an der Lagune beim Konzert von Andreas Bourani verbrachte, ließen wir den Tag im Strandkorb ausklingen…

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Am Sonntag gab’s zum Frühstück in der Pension sogar eine Portion Nordseekrabben, frisch gepult. Sensationell.
Anschließend packten wir unseren Kram ins Auto und liefen wieder die bewährte Route.

Mir wurde dann irgendwann ziemlich schummerig, knallrot war ich vom Vortag sowieso… und der Mister stellte dann recht schnell fest, daß ich mir am Sonnabend den ersten Sonnenstich meines Lebens eingefangen hatte. Upsi.

Die Erholung minderte das allerdings nicht… und wir haben uns jetzt beide fest vorgenommen, mit dem nächsten Kurztrip ans Meer nicht wieder so ewig zu warten.
Nächstes Mal nehme ich dann auch ne Kopfbedeckung mit und denke an die Sonnenmilch. Ganz sicher.

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7. Sep. 2015

Es ist Länderpause. Zumindest glaubt ihr das alle. In Wahrheit machen die diese Pause ja nur, damit ich endlich mal zum Bloggen komme…

Bevor die Bundesliga weitergeht, will ich mal eben meine Gedanken zu den ersten drei Spieltagen notieren.

1. Spieltag - auswärts in München
Als HSV nach München zu fahren ist ja immer so eine Sache. Weniger für den HSV selbst, als für den Rest der Welt. Da hagelt es Häme schon vorm Anpfiff, weil man gegen Bayern spielen muß. (Ähm… Hab ich ne Liga-Neuerung verpasst? Müssen nicht mehr ALLE Mannschaften irgendwann gegen Bayern ran?)
Da werden Grillwitze gemacht (Laaaaangweilig!) und Wetten angeboten, ob es diesmal endlich zweistellig wird (Pfff.)

Vor Anpfiff ist quasi schon klar: Der HSV blamiert sich bis auf die Knochen, steigt nach Abpfiff freiwillig vor lauter Scham mit sofortiger Wirkung ab, die Würstchenfabrikanten müssen allesamt Überstunden machen und überhaupt, haha, da fliegt bestimmt der Trainer raus!

Und dann erdreistet sich dieser HSV einfach so, das nicht zu tun. Sondern die erste Halbzeit überraschend okay dagegen zu halten. Selbst ich, die ich ja immer daran glaube, daß wir alles und jeden wech hauen, war angenehm überrascht.
Wie genau die Bazis in Schach gehalten wurden, hat der Herr Baldrinho schöner erklärt, als ich das jemals könnte.

Daß man dann vor der Pause doch noch das Nulleins kassiert, ja nun, das war verschmerzbar.

Blöd wurde es, als Costa(fastgarnix) in der zweiten Halbzeit mit Ostrzolek Samba tanzen konnte, wie er wollte. Nur logisch, daß Ozzy dann irgendwann im eigenen Strafraum eine Mischung aus Schwalbe und Mittagsschläfchen machte…

Mir war’s am Ende mit 5:0 dann doch ein, zwei Tore zu hoch… Aber gegen Bayern kann man mal verlier’n… und wir werden sicher nicht die einzigen sein, die da fünf Dinger kassieren.

Ich startete also trotz Platz 18 extrem zuversichtlich und entspannt in die neue Saison.

2. Spieltag - zu Hause gegen Stuttgart
Wenig Gefühle sind für mich mit denen vergleichbar, wenn man nach einer dramatischen Saisonschlußphase und einer langen Sommerpause das erste Mal zurück ins Stadion kommt.

Dieser Moment, in dem ich zum ersten Mal aus dem Umlauf trete und das Spielfeld und die Ränge sehe, das ist schon jedes mal ganz viel Hach.

Bei “Mein Hamburg lieb’ ich sehr” vorm Anpfiff hatte ich Gänsehaut und nen kleinen Kloß im Hals. Irgendwo zwischen Mannschaft begrüßen, “Hamburg meine Perle” und Mannschaftsaufstellung wurde mir wieder klar, was mir die ganze Zeit gefehlt hatte. Dieses HSV-Ding ist einfach durch nichts zu ersetzen.

Das machte mir auch der Spielverlauf wieder deutlich. Zweimal in Rückstand geraten, zweimal zurück gekommen und letztlich das Ding gedreht. Es gibt zwar entspanntere Siege, aber diese sind schon ziemlich großartig.

Und ich kann mich nicht mehr dran erinnern, wann durch unser Stadion zuletzt ein “Oh, wie ist das schön!” schallte.

FUCKYEAHHEIMSIEG!

Randnotiz: Ekdal gefiel mir in seinem zweiten Bundesligaspiel extrem gut, ich sah da einen krassen Fortschritt im Vergleich zum Spiel in München.
Auch gegen Stuttgart fiel mir wieder auf, daß wir wohl ein Problem links hinten bekommen. Man wünscht sich ja fast schon Jansen zurück! Schon irgendwie bitter, daß Stuttgart ihn irgendwann gar nicht mehr gedeckt hat, weil sie offenbar erkannt haben, daß da keine Gefahr droht. Meh. Mal sehen, wie das auf der Position weitergeht.

3. Spieltag: auswärts in Köln
Letztes Jahr war ich noch mit in Köln, dieses Jahr saß ich während des Spiels in Büsum im Strandkorb.

Als Hirzel für den verletzten Adler kam, meinte der Mister, jetzt dürfte man auch verlieren. Stattdessen besorgte Holtby erst mal den Führungstreffer. Ich wollte eigentlich sauer sein, daß er das macht, wenn ich nicht im Stadion bin… aber die Freude über das Tor überwiegte. Und ich glaube, die Jubelschreie hörte man bis hintern Deich.

Schade, daß es dann letztlich wertlos war. Das 1:1 war natürlich eine Verkettung blöder Fehler… das 2:1 in meinen Augen eine Fehlentscheidung. Kein Rot, kein Elfmeter.
Ich sehe mich in dieser Meinung durch die ein-Spiel-Sperre von Spahic auch bestätigt, will da jetzt aber gar nicht groß drüber diskutieren.

Nur so viel: Ich fürchte, es war nicht das letzte Mal, daß gegen Spahic strittige Entscheidungen gepfiffen werden. Dennoch halte ich ihn für eine gute Verstärkung.

Am Freitag geht’s nach Gladbach - mal sehen, wie lange ich diesmal brauche, um wieder Zeit zum Bloggen zu finden. Die nächste Länderspielpause kommt bestimmt ;-)

In diesem Sinne:
Glaube, Liebe, Hoffnung.
NUR DER HSV!

14. Aug. 2015

So. Kurz vorm Anpfiff der neuen Saison will ich noch schnell den guten, alten Bundesliga-Fragebogen ausfüllen. Letztes Jahr ist der mir komischerweise durchgerutscht…

Dein Verein heißt:
Man könnte ihm viele Namen geben… Relegations-Double-Gewinner, Falsche-Fans-auf-T-Shirt-Drucker und was weiß ich noch alles. Dennoch ist und bleibt es NUR DER HSV!

Und trotz der vielen grauen Haare, der kübelweisen Häme, dem Chaos, dem Hass: Ich würd keinen anderen wollen. Echt nicht.

Wie lautet das offizielle Saisonziel, sofern es bekannt ist?
Ich weiß nicht, ob sich dazu mal jemand offiziell geäußert hat - aber gesichertes Mittelfeld, würde ich mal hoffen. (Selbst der HSV hat gelernt, daß international ein bißchen hoch gegriffen wäre derzeit…)

Wie lautet DEIN Saisonziel für Deinen Verein?
Alles, nur kein Abstiegskampf bis zum letzten Schlußpfiff. Und vor allem… Bitte keine Relegation!
Ich möchte gerne nach dem letzten Heimspiel mein Bierchen bei Knappis trinken und wissen, daß wir auch 2016/17 erstklassig spielen. Dieses nochmal rumdrehen und nicht wissen, was wird, ist die Pest.

Welchen Spieler hätte Deine Mannschaft in der Pause lieber nicht abgegeben?
Ist das der Punkt, an dem ich “Jonathan Tah” sagen sollte?
Ganz ehrlich: in meinen Augen war jeder Abgang ein richtiger Abgang. Klar, mit Tah ging einer, der jung und vielversprechend war. Aber hätte er dem HSV wirklich mit seiner Zweitligaerfahrung helfen können? Und vor allem hätte er es wollen? Sein Wunsch, Hamburg zu verlassen, war eindeutig. Dann sollte man ihn auch ziehen lassen. Und 10 Millionen sind ne Menge Geld.

Welchen Spieler hätte Deine Mannschaft besser verkaufen sollen?
Rudnevs. Der Wille seitens des HSV war da. Schade, daß der Spieler nicht mitgespielt hat. Eine Rolle spielen wird er unter dem aktuellen Trainer wohl keine mehr - aber vielleicht spekuliert er ja auch einfach darauf, daß es bald wieder einen neuen gibt.

Wen hätte Deine Mannschaft diese Saison lieber NICHT gekauft?
Bei der Verkündung der Spahic-Verpflichtung war ich kurz etwas geschockt. Inzwischen glaube ich aber (Trotz des Jena-Spiels, das auch von Spahic nicht glorreich war), daß er uns gut zu Gesicht steht.

Wer von den neuen Spielern wird Deiner Mannschaft am besten helfen?
Ich hoffe auf reichlich Tore von Schipplock und Gregoritsch - davon hatten wir letzte Saison definitiv zu wenig.

Wie wirst Du in dieser Saison Deine Mannschaft unterstützen?
Wie immer mit ganzem Herzen und vollem Einsatz.

Wie findest Du das neue Trikot Deiner Mannschaft?
Schön schlicht, vor allem das Heimtrikot. Das neue Auswärtstrikot mag ich auch, schöner als dieses Textmarker-Orange, das wir zuvor hatten. Allerdings stört meinen inneren Monk, daß der weiße Streifen am unteren Ende nicht rundum geht.

Welcher Stürmer wird die Torjägerkanone holen?
Müller. Ich verrate aber nicht, welcher…

Welcher Trainer wird als erstes gefeuert?
Diesmal nicht der vom HSV, da hin ich ziemlich sicher. Zumindest, wenn er immer gut auf sein Schultäschchen aufpasst und sich die Taktiktafel nicht klauen lässt.
Ich tippe auf Frontzeck.

Welche Mannschaft wird das erste Tor der Saison schießen?
Klare Sache: Der HSV.

Welche Mannschaften SOLLTEN absteigen?
Nach zweimal Relegationsscheiße in Folge mag man das ja gar keinem mehr wünschen… (Hilfe, ich verweichliche!)

Welche Mannschaft wird Meister?
Der HSV. Schließlich ist Darmstadt erstklassig, und dann war das immer so. Außerdem glaube ich so lange dran, bis mir einer das Gegenteil beweist.

Wenn Du nicht im Stadion bist, wo wirst Du die Spiele sehen?
Dank des Sky-Abos vom Mister vermutlich bei ihm auf dem Sofa.

Wie sehr vermisst Du die Bundesliga auf einer Skala von 1 bis 10 - wobei bei 1 so ziemlich keine Träne nach der Bundesliga verdrückt wird und 10 quasi bedeutet, daß Du ernste Entzugserscheinungen hast?
Ich weiß, es ist bescheuert. Aber trotz Pokal-Blamage und dem ganzen anderen Kram diese Woche: mindestens 11. Vor allem vermisse ich es, im Block zu stehen und mal nicht Zittern zu müssen.

Wird es eine spannende Saison für Deine Mannschaft?
Hoffentlich nicht. Ich hoffe auf ganz langweiliges Mittelmaß und einen frühen Klassenerhalt.

Schal, Trikot, Dauerkarte, Hummel Hummel - ich wär’ dann so weit!
In diesem Sinne:
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Nur der HSV!
Von mir aus können wir dann.

11. Aug. 2015

So, jetzt ist es endlich so weit, am Freitag beginnt die neue Bundesligasaison. Für all jene, die es vor Spannung kaum noch aushalten können, hab ich mal ganz tief in die Glaskugel geschaut. Hier ein kleiner Einblick, was uns diesmal beim Auftakt so erwarten wird.

Freitag, 15. August 2015
Der HSV gastiert beim FC Bayern, das Spiel wird live in die ganze Welt übertragen. Als die HSV-Spieler vor dem Münchner Schlauchboot aus dem Bus treten, sind ihre Sporttaschen mit Handschellen am Handgelenk befestigt. Anordnung von ganz oben. Es soll schon vorgekommen sein, daß herrenlose HSV-Gepäckstücke irgendwo aufgefunden wurden, wo sie nicht hingehörten.

Trotz der Pokalschlappe geht der HSV mit breiter Brust und heraushängendem Schlabbershirt ins Spiel - und schlägt sich überraschend gut.

Es soll auch keiner sagen, der HSV sei nicht lernfähig: Nach den Vorwürfen von Jena bittet Adler beim ersten Münchner Freistoß den gesamten Gästeblock aufs Spielfeld, um eine Mauer zu errichten. Die ist so stabil, daß sie sich erst wieder auflöst, als der Stadionsprecher nacheinander “Wind of Change” und “Looking for Freedom” spielt.

Am Ende gelingt dem HSV die Sensation: Er lässt sich nicht nur nicht abschlachten, er bringt sogar das 0:0 über die Zeit. Die Verwirrung, als das Spiel anschließend nicht in die Verlängerung geht, ist auf Hamburger Seite allerdings riesengroß.

Das bajuvarische Selbstvertrauen ist nach Abpfiff in den Grundfesten erschüttert. Fliegende Händler bieten Schals mit “Mia San Nimma Mia”-Aufschrift an. Für den nächsten Tag wird ein Bayernversöhnungsgrillen auf dem Marienplatz angeordnet, die Würstchen brät Uli H. persönlich.

Am Samstag macht ein Münchner Boulevardblatt mit der Schlagzeile auf “HSV-Brotdose im Englischen Garten gefunden!”
Der Inhalt der Brotdose: Eine Tüte Chips und ein halber Burger, beides nicht mehr ganz frisch. Das ungesunde Essen soll angeblich einem Spieler gehören. Schon wieder ein Skandal? Kommt der Dino denn nie zur Ruhe?

Eine Nachfrage beim HSV ergibt: Die Brotdose gehört zwar einem gewissen I., der hat sie aber noch gar nicht vermisst, da er im Sommer seine Ernährung umgestellt hat.

Während in München noch die Grills qualmen, gibt es in Hamburg eine überraschende Personalie zu vermelden. Der HSV führt bereits während der Amtszeit Labbadias offiziell dessen Nachfolger ein. Die Einarbeitung sei einfacher, wenn sich die beiden überschneiden, so die Begründung.

Ach, wer vorgestellt wird, wollt ihr wissen? Der Hinweis darauf lag doch längst im Jenischpark verstreut. Man hätte sich nur nicht von den Zahlen auf den Blättern ablenken lassen dürfen - die Blätter selbst waren nämlich der Hinweis.

Der neue Trainer wird ein gewisser Zettel-Ewald…

In diesem Sinne:
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Nur der HSV!

9. Aug. 2015

Vor zwei Jahren gastierte der HSV in der ersten Pokalrunde in Jena. Der Gegner im (auf dem?) Ernst-Abbe-Sportfeld damals war zwar Schott Jena, aber das lassen wir jetzt mal außen vor.

Ich war damals im Stadion, es schüttete vor Anpfiff fürchterlich, der HSV tat sich wahnsinnig schwer mit dem Gegner und es stand mehr als eine Stunde Nullnull. Irgendwann platzte allerdings der Knoten, in rascher Folge fielen vier Tore (zweimal Rudnevs, einmal Van der Vaart, einmal Zoua) und die nächste Runde war sicher.

Am Ende der Saison wurde man Sechzehnter und mußte sich über die Relegation gegen Fürth sowohl Arsch, als auch Erstklassigkeit sichern.

DFB-Pokal ist nur Schall und Rauch

Heute gastierte der HSV wieder in Jena. Selbes Stadion, anderer Gegner. Ohne die Torschützen von damals. Und ohne mich.

Auch gegen Carl Zeiss sah das nicht gut aus. Eigentlich noch schlechter als damals. Ich will jetzt nicht mit dem Finger auf einzelne Spieler oder individuelle Fehler zeigen, das bringt nichts und können andere ohnehin besser.

Kurz gesagt: Man geriet zweimal in Rückstand, kam zweimal zurück. Ja, ich weiß, das Einseins hätte nicht gelten dürfen, der Ball war im Aus. Aber Tor ist nun mal, wenn der Schiri pfeift… Und das hat er.

Dann also Verlängerung und plötzlich ging Jena wieder in Führung und der HSV hatte dem nichts entgegen zu setzen.

Das “Willkommen im Paradies” auf der Anzeigentafel wurde plötzlich zur blanken Ironie. Pokalaus in der ersten Runde. Schon wieder.

Dennoch weigere ich mich, der allgemeinen Weltuntergangsstimmung zuzustimmen. Noch kein Bundesligaspiel gemacht, aber schon abgestiegen. Zumindest, wenn man sich so umhört.

Was unbestritten ist: es kam zu wenig vom HSV. Jena kratzte, Jena biss, Jena gab den HSV-Spielern vermutlich sogar Tiernamen.
Beim HSV fehlte dagegen dieser Wille. Die Brechstange. Das, was uns in der Schlußphase der letzten Saison letztlich gerettet hat.

Klar, als Generalprobe vorm Bundesligaauftakt in München war das heute ne Katastrophe. Mit der Einstellung darf man nicht zum FCB fahren… Sonst machen die Hackfleisch aus uns. Der HSV muß bis Freitag mindestens eine Schipplock drauf legen.

Dennoch bin ich zuversichtlich für die Saison. Und das nicht nur, weil auf eine verpatzte Generalprobe normalerweise eine furiose Premiere folgt.

Die Vorbereitung sah doch streckenweise schon vielversprechend aus, vom ein oder anderen Neuen verspreche ich mir einiges. Und vielleicht war das jetzt ein Schuss vor denn Bug zur rechten Zeit. Nicht übermütig werden. Kleine Brötchen backen.

Und damit sich auch alle Spieler daran halten, fände ich es gut, wenn wir den Vorschlag von @murkeleien umsetzen:

Wer als Bundesligist im DFB-Pokal von einem Regionalligisten rausgekickt wird, muss in der Bundesligasaison mit roten Clownsnasen spielen.

Ob mit roter Nase oder ohne, eins ist jedenfalls klar: Der Kelch, äh, Verzeihung, Pokal, wird auch diese Saison wieder am HSV vorüber gehen.

Vielleicht ist das auch besser so.

So können sich alle Beteiligten komplett darauf konzentrieren, in der regulären Bundesligasaison den Klassenerhalt zu sichern. Ich bin vermutlich nicht die Einzige, die sich darüber freuen würde.

Und so toll ist Berlin doch auch wieder nicht…

In diesem Sinne:
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Nur der HSV!

PS: 2012 nach dem DFB-Pokal-Aus in der ersten Runde beendete der HSV die Saison anschließend als Siebter. Meinjanur.

20. Jun. 2015


Ein Teil der Umzugskisten dort, wo zehn Jahre meine Garderobe war. Und ein letzter Blick in meine leere Schlafnische.

Heute vor einem Jahr schlug ich in Berlin zum letzten Mal die Tür meiner ersten eigenen Wohnung zu. Und zog nach Hamburg.

Seitdem hat der Herr IKEA unzählige Male bei mir abgebucht, genau wie seine Kumpels, die Herren OBI und Bauhaus. Die Kisten im Wohnzimmer sind verschwunden, es gibt keine kahlen Glühbirnen mehr in der Wohnung. Ja, gut. Die neue Lampe fürs Schlafzimmer muß noch angebracht werden, das Sichtschutz-Dingsi am Balkon und ein paar Fliegengitter. Ja, okay, ich brauche auch noch eine richtige Lampe für die Küche und wollte noch einige Bilder für die Wände entwickeln lassen.

Dennoch ist meine Wohnung jetzt schon mehr zu Hause als Berlin jemals war. Ich habe endlich den großen Kleiderschrank, den ich immer wollte. Und ich habe mir im Wohnzimmer eine kleine Schreib- und vor allem Nähecke eingerichtet.

Zurück gekehrt nach Berlin bin ich seitdem nur einmal - und das auch nur, um den HSV verlieren zu sehen. Das Wetter war zu doof, um bei der alten Wohnung vorbeizufahren, wir zu durchgefroren, um zum alten Lieblingsrestaurant zu gehen.

Zwölf Monate Hamburg. Zwölf Monate neues Leben.

Einiges ist dennoch gleich geblieben. In den letzten zwölf Monaten habe ich zu viel Zeit mit Arbeit verbracht und zu wenig mit Freunden und Bekannten. Überhaupt habe ich weniger gemacht, als ich vor hatte. Aber es kommt einem ja dann doch immer irgendwie der Alltag zwischen.

Ich bin zu wenig Hafenfähre gefahren, war in keinem einzigen Museum und meine Ausflugs-Wunschliste wird eher länger als kürzer. Ich habe es weder zur Zwoten geschafft, noch zu Altona 93. Letztere spielen vorzugsweise dann, wenn ich in Hörweite im Büro sitze…

Dafür habe ich erstmals alle Pflicht-Heimspiele des HSV gesehen. Und ein paar Auswärtsspiele dazu.

Ich war zum ersten Mal bei Hagenbeck und war begeisterter davon, daß man die Elefanten und andere Tiere füttern kann, als die meisten Kleinkinder. Die freilaufenden Pampashasen und Muntjaks riefen bei mir auch kurz vorm Verlassen des Geländes noch Entzücken hervor.

Ich habe mich spätabends kurz vorm Abbau der Lichtquellen noch dazu überreden lassen, mir den Blue Port anzusehen, damit ich es endlich abhaken kann. Auf Bildern fand ich das nämlich immer so hübsch und hab genöhlt, weil ich es nie live gesehen habe. Aber es ist ja dann doch nur blaues Licht, das blau leuchtet.

Ich war geschätzte zehn Minuten auf dem Hafengeburtstag, bis ich die magischen Worte aussprach: “Achso… Das ist so ne Art DOM am Hafen? Okay… Laß uns wieder heim gehen, Kaffee trinken und FIFA zocken…”

Obwohl ich einen Andronaco, eine Metro und eine Fegro (Jaja, heißt jetzt anders) in der Nachbarschaft habe, was ich ursprünglich total toll fand, bin ich dort quasi nie.

Dafür fahre ich auch quasi nie in die City. Etwas, was ich früher nie für möglich gehalten hätte. Aber Altona hat tatsächlich (fast) alles, was man so braucht.

Unterm Strich war das Jahr aus diversen Gründen sicher auch nicht optimal. Ich habe dennoch keine Sekunde bereut, nach Hamburg gezogen zu sein.

Auf die nächsten 365!

10. Jun. 2015

Selbst der HVV gratuliert zum Klassenerhalt

Ja, ich weiß, ich bin verdammt spät dran. Ihr seid alle gedanklich längst in der Sommerpause, bei der Frauenfußball-WM, dem Länderspiel nachher, der anstehenden DFB-Pokal-Auslosung oder bei der Kaderplanung für die nächste Saison.

Ich nicht. Ich bin auch eine Woche danach immer noch damit beschäftigt, durchzuatmen. Zu verstehen, daß der Spuk vorbei ist. Daß alles gut ging.

Erstklassig. Unabsteigbar. Immer noch.

Man würde ja denken, daß die Wiederholung von Situationen dazu führt, daß sie mich weniger mitnehmen. Beim HSV gibt es diesen Gewöhnungseffekt für mich nicht.

Wenn ich mich zurück erinnere: Klar war es schlimm, damals, 2009 gegen die verbotene Stadt. Klar hatte ich nach dem Aus in Pokal und UEFA-Pokal schlechte Laune. Klar hat es mich emotional nicht kalt gelassen.
Aber nicht so sehr wie Fulham 2010.

Ähnlich ist es mit der Relegationsscheiße.

Klar ging mir letzte Saison gegen Fürth mächtig der Arsch auf Grundeis. Ich habe gezittert, ich habe gefühlt im Stadion kein einziges Mal geatmet, ich habe gespürt, wie mir das Herz bis zum Hals klopft. Und ja, ich hatte ein ums andere Mal Pipi in den Augen. Vor Angst, Anspannung und zuletzt Erleichterung.

Dennoch war Fürth im Vergleich zum Saisonendspurt dieses Jahr für mich schon fast ein Wellness-Urlaub.

Seien wir ehrlich: Der HSV war auf dem Papier längst weg. Nach dem 28. Spieltag Tabellenletzter, 2 Punkte auf den Relegationsrang, 4 Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz, kaum Tore, kein erkennbarer Plan…

Das ist nicht schön. Und das ist auch nicht einfach zu verdrängen. Ich versuchte es dennoch… Scheuklappen auf, weitermachen.

Die Tatsache, daß ich mich auch im Job mit dem HSV beschäftige, erschwerte das ein wenig. Ich glaubte trotzdem dran. So lang es noch irgendwie rechnerisch möglich war.

Am 21. April errechnete Ligagott.de, daß der HSV zu 91,6 Prozent absteigt. Ich klammerte mich an die verbleibenden 8,4 Prozent.

Und plötzlich passierte das, worauf ich gehofft hatte. Es fanden sich Spieler, die Verantwortung übernehmen wollten. Spieler, die kämpften. Plötzlich straften jene, denen so oft der Charakter abgesprochen wurde, die Vorurteile Lügen. Und: Es stand wieder eine Mannschaft auf dem Platz.

Auch, wenn es am Ende rasiermesserscharf war: Mit Knäbel als Trainer wäre der HSV wohl gerade auf der Suche nach einer schicken Tapete für den Ort, an dem jetzt die verhassteste Uhr der Liga tickt. Mit Knäbel als Trainer würde wohl irgendwer gerade durch den Keller der Arena kriechen, um nachzusehen, ob da noch irgendwo das Kostüm der Hummel rumstaubt.

Die Verpflichtung von Labbadia hatte einen großen Anteil an der Rettung. Ob es einem anderen Trainer auch gelungen wäre, das Ruder rumzureißen, vermag ich nicht zu beurteilen. Die Frage ist auch: Hätte sich ein anderer Trainer wirklich dieser Aufgabe gestellt?

Es ist müßig, darüber zu diskutieren. Und wir wissen alle, wie ich mich “gefreut” habe, als die Trainerentscheidung fiel.

Dennoch: Labbadia hat es geschafft, der Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Und, viel mehr, eine Mannschaft zu formen. Was aus den Trainingslagern nach außen dran, hatte oft wenig mit Fußball zu tun: Huckepacklauf, Kanufahren, Luftgewehr schießen…

Aber es war wohl das, was fehlte. Spaß. Selbstvertrauen. Zusammenhalt. Die Mannschaft stark reden, das wenige positive hervorheben, das ganze Schlechte verleugnen.

Und plötzlich lief es auch auf dem Platz, der HSV kletterte aus dem Tabellenkeller, die 8,4 Prozent schienen Recht zu behalten.

Damit, daß man dann doch vor dem letzten Spieltag wieder auf einen direkten Abstiegsplatz abrutschen würde, hatte ich schon fast nicht mehr gerechnet. Im letzten Saisonspiel auf andere Ergebnisse hoffen zu müssen war für mich der blanke Horror.

Der Mister sah Schalke als das Problem an, ich dagegen hatte Angst vor den anderen Partien - war mir aber sicher, daß wir Schalke zu Hause wechhauen.

Die Partie war emotional unglaublich anstrengend. Es wurden keine Live-Zwischenstände eingeblendet, Empfang hatten wir nicht. Also waren wir darauf angewiesen, per Flüsterpost im Block die anderen Ergebnisse zu erfahren.

Leider kam da nicht immer nur die Wahrheit. So versicherte uns einmal jemand, Paderborn führe 2:1 gegen Stuttgart, was zu dem Zeitpunkt Platz 15 bedeutet hätte. Ein anderes Mal trug uns jemand zu, Freiburg führe in Hannover - und der HSV sei abgestiegen.

Der Abpfiff in Hamburg, der zwonull-Sieg… Er war nicht ansatzweise erlösend. Zu sehen, wie sich auf dem Platz die gesamte Mannschaft um ein Handy drängt und auf den Abpfiff in Hannover wartet, der über Relegation oder Abstieg entscheidet… Die Hölle auf Erden war nie näher.

Dann war also klar: Relegation, schon wieder. Darmstadt, Lautern und Karlsruhe waren in der Verlosung - eigentlich war klar, daß ich das Auswärtsspiel mit einem längst überfälligen Heimatbesuch kombinieren würde.

Der Mister hatte mir schon früh mitgeteilt, nicht mit auswärts zu fahren. Puh. Alleine auswärts? An sich kein Problem, zigfach gemacht. Aber Relegation? Was wenn… Nein, nicht dran denken.

Und dann war klar: Karlsruhe.

Für mich die größte Zwickmühle überhaupt. Eigentlich ertrage ich derartige Spiele am Fernseher noch schlechter als im Stadion. Weil ich im Stadion notfalls versuchen kann, den Ball ins Tor zu brüllen. Eigentlich ist das letzte Saisonspiel ja auch Pflicht.

Andererseits: Karlsruhe. Ich sah dort fünf HSV-Spiele. Vier davon endeten mit Niederlagen. Zwei in KO-Spielen (DFB-Pokal).

Der Server des HSV nahm mir die Entscheidung dann ab. Er ging vor mir in die Knie - und als er nach ner Stunde wieder aufstand, waren alle Tickets weg. Nun gut.

Das Hinspiel machte die eh schon vorhandene Angst davor, wie das alles ausgehen würde, nicht grade kleiner. Der HSV schien die Hosen gestrichen voll zu haben, das Einseins war mehr Glück denn Können. Aber gut, wir wollen ja nicht meckern.

Schlimm fand ich, das Stadion zu verlassen. Mich nochmal umzudrehen, das geliebte Wohnzimmer im Flutlicht zu sehen… und nicht zu wissen, ob man hier kommende Saison erste oder zweite Liga spielen würde.

Und dann kam das Rückspiel. Ich hatte das Atmen mittlerweile komplett eingestellt, zerquetschte die Hummel mit der linken Hand und versuchte, mit der rechten dem Mister nicht ähnliches anzutun.

Die Minuten vergingen, es stand Nullnull. Langsam kam mir schon eine Vorahnung dessen, was los wäre, wenn der HSV diese Saison so abstiege, wie er die letzte Saison drin blieb: Mit einem Einseins und einem Nullnull.

Nein, böse Gedanken, weg damit.

Die Uhr tickte runter. Unaufhörlich. Ich schwankte zwischen wegsehen und hingucken, mir war schlecht, ich hatte Angst. Karlsruhe stand mit Mann und Maus hinten drin, wenn der HSV mal durch kam, war immer irgendwo ein Bein dazwischen.

Dann ging Karlsruhe zu allem Überfluß in Führung. Klar, für den HSV änderte sich nix, ein Tor mußte so oder so her. Dennoch… 12 Minuten vor Abpfiff ein ziemlicher Schlag in die Magengrube.

Aufstehen, Mund abwischen, weitermachen. Und hoffen. Auf das Wunder vom Wildpark. Darauf, daß Hermann dem Fußballgott auf die Finger haut.

Der HSV drückte, wollte den Ausgleich. Inzwischen lief die Nachspielzeit. Auf der Bank von Karlsruhe standen schon die Kartons mit den Aufstieg-Shirts bereit. Die Polizei marschierte vor dem Gästeblock auf.

Dann ein Freistoß für den HSV an der Strafraumgrenze. Statt van der Vaart, dessen Standards das ganze Spiel über vom Pöbeln des Misters begleitet wurden, lief Diaz an. Inzwischen weiß ich, daß das nicht so geplant war. VDV wollte schießen, Diaz soll gesagt haben “Tomorrow, my friend, tomorrow”. Und sich den Freistoß geklaut haben.

Der Rest war Jubel. Der Freistoß landete im Winkel, die ersten Fans sprangen über den Zaun, wir kugelten auf dem Sofa übereinander.

Heute, mit einigen Tagen Abstand, frage ich mich immer noch: Wie viele Eier passen eigentlich in so einen 1,66-Meter-großen Chilenen?

Jetzt also Verlängerung. Ich war nervlich völlig am Ende, zuckte bei jedem Karlsruher Ballkontakt zusammen.

Innerlich bereitete ich mich schon auf ein Elfmeterschießen vor. Wer würde antreten? Und sind die Nerven stark genug? Meine nicht, das weiß ich - und mir war auch klar, daß sich der Mister im Falle eines Falles hinter meinem Sofa verkriechen würde.

Zum Glück kam es nicht dazu. Müller machte das 2:1 in der 115., uns war klar: Das war’s. Zwei Dinger fangen wir uns nicht mehr.

Hier zum Nachhören:

Daß Adler dann sogar noch einen Elfmeter hielt - netter Versuch, im Endspurt meine Nerven zu beruhigen… aber die waren da schon ordentlichst strapaziert.

Die Szenen nach Abpfiff werde ich wohl nie vergessen. Und ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich sie sehe. Ein Labbadia, der völlig ausrastet und ein Interview von Beiersdorfer crasht. 13.000 Menschen beim Public Viewing, die völlig ausrasten. Oberkörperfreie Spieler auf dem Zaun, mit Megaphon und HSV-Schal. Und eines meiner liebsten Videos: Die Mannschaft, die im Bus komplett hohl dreht.

Für mich hat sich letzten Montag irgendwie auch ein Kreis geschlossen. Ich habe gegen Schalke zum ersten Mal den Namen des Trainers gerufen - ich habe meinen Frieden mit ihm gemacht.

Allerdings kann ich bis heute keine Bilder von Fulham sehen oder zu lange drüber nachdenken, ohne daß ich anfange, unscharf zu sehen.

Ähnlich ist es derzeit noch mit Bildern aus Karlsruhe. Nur besetzt mit sehr viel Dankbarkeit und Freude darüber, daß alles noch mal gut gegangen ist.

In diesem Sinne:
Glaube, Liebe, Hoffnung.
NUR DER HSV.

Sie tickt noch!
Ich hab nachgeschaut: sie tickt noch!!

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