Da is’ das Ding!

 

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29. Sep. 2010

Tja, was soll ich sagen? Außer vielleicht: Schon wieder Bremen.

Einige Tage, viele Gedanken und viele wiederholte Spielszenen später bin ich immer noch da, wo ich Samstag nach Abpfiff war. Also… gedanklich. Nicht körperlich. Nicht auszudenken, ich stünde immer noch in der verbotenen Stadt auf der Baustelle rum…

Nach vorne war das Samstag streckenweise ziemlich hui – nach hinten dafür um so mehr pfui. Da wünscht man sich doch glatt die gute, alte Stevensive zurück.

Machen wir uns nix vor, ich bin echt kein Taktik-Nerd. Dafür ist der Herr Nedfuller da. Ich mach hier mehr so den Mädchenkram.

Aber wenn sogar ich erkenne, daß wir ein System spielen, daß wir nicht können… wieso erkennt das dann der Trainer nicht?

Wie viele Spieler will er denn noch auf der 10 ausprobieren? Guerrero, Petric, Elia, Troche – alles ein Schuß in den Ofen. Gut, wir haben noch ein paar Spieler im Kader, wir hätten auch noch ein puscheliges Maskottchen und sogar einen bloggenden Busfahrer, die können wir gerne alle da vorne noch ausprobieren – helfen wird es aber vermutlich nicht.

Der einzige, der meiner Meinung nach (Wir erinnern uns: ich bin ein Mädchen und kann 90 Minuten dauerpöbeln, hab die Taktik aber echt nicht erfunden) in der Lage wäre, da vorne zu spielen, stand in Bremen hinten links in der Abwehr.
Zé wurde, wenn ich mich richtig erinnere, bei irgendeinem Testspiel schon als Linksverteidiger ausprobiert, klar kann der das, wenns sein muß. Zé kann alles! Aber es kann doch nicht sein, daß er dann von hinten versuchen muß, das Spiel zu machen und die Bälle zu verteilen?

Und überhaupt, Abwehr. Kinners, ich bin inzwischen so weit, daß ich mir Rozehnal zurückwünsche, wenn wir nur Westermann los wären. ICH! ROZEHNAL! Das muß man sich mal vorstellen!
Ich halte Westermann da hinten für, sagen wir mal, suboptimal. Der ist leider nicht so ne Bank, wie unsre Abwehr bräuchte. Im Gegenteil. Gefühlt (Das mag in dem Ausmaß täuschen, aber einen wahren Kern hats allemal) leistet er sich in jedem Spiel nen Klops, der zu nem Gegentor oder zumindest einer Großchance führt.

Und dann isser auch noch Kapitän. Das geht so nicht!! Und trotzdem weiß ich: Veh wird vieles tun, aber nicht Westermann die Kapitänsbinde abnehmen, um sie Jaro oder sonstwem zu geben. Grmpf.

Aber erst mal zu Samstag. Bremen. Mal wieder. Letztes Mal war ich da zum UEFA-Cup-Halbfinal-Hinspiel. Ein AUS!WÄRTS!SIEG!

Seither ist einiges passiert. Bremen hat das Stadion so umgebaut, daß es von außen wie ein mit Solarzellen verkleidetes Parkhaus aussieht. Kennt Ihr das Parkhaus in Hamburg, hinter Saturn, am Anfang der Mönckebergstraße? Ja? Genau so sieht das aus, wenn man in Bremen vor der Gästekurve steht.

Und ich stand da lange. Ach, was sag ich… Noch länger. Das mit dem Einlaß war nämlich schon wieder ziemlich scheiße gelöst. Vorm Einlaß waren Absperrungen und Schleusen zur Sicherheitskontrolle. Klar. Aber davor war noch mal ne Absperrung. Und da stand mittendrin ein Baum, den man seinerseits mit einer Absperrung umgeben hat.
Wenn dann aber in der Absperrung rund um den Baum schon viele Leute sind, die gerne ins Stadion rein wollen und am Einlaß im Gedränge stehen… und dann die Polizei hinten die andere Absperrung aufmacht, obwohl der Einlaß vorne ewig dauert… dann wird das dadurch für die, die am Eingang anstehen, nicht unbedingt undrängeliger.

Es dauerte nämlich unter anderem deswegen so lange, weil die Bremer diesmal alles ganz besonders gut und gründlich kontrollieren wollten. Ich mußte meine Schuhe ausziehen. Turnschuhe. Ich.
Außerdem mußte ich meinen Schalknoten lösen. Und meine Tücher, von denen ich eins am Handgelenk hatte, und eins am Griff meiner Tasche, aufknoten.

Fragt mich nicht, was sich hätte unter den Knoten verbergen können, ich weiß es nicht. Es ist sicherlich gut gedacht gewesen – war allerdings lächerlich. Ich habe lange genug selbst Einlaßkontrollen zu öffentlichen Veranstaltungen durchgeführt – ich erkenne eine gute Kontrolle, wenn ich eine sehe. Und unter uns: Ich sehe in Bundesligastadien verdammt wenige bis gar keine.
Ich mußte zwar meine Tücher aufknoten und die Schuhe aufmachen – es hat sich aber keiner die Mühe gemacht, in die Seiten- oder Innentasche meiner Handtasche zu schauen. Natürlich würde das Zeit kosten – aber wesentlich weniger, als jemanden die Schuhe aus- und wieder anziehen und alle Tücher aufknoten zu lassen. Und die Wahrscheinlichkeit, daß sich in einer Innentasche ein verbotener Gegenstand befindet ist weit größer als die, daß ich ihn im Schuh mit mir rumtrage. Schon alleine, weil es in der Seitentasche bequemer ist.

Ich sage damit nicht, daß ich verbotene Gegenstände dabei hatte – im Gegenteil. Aber ich hätte können. Und zwar völlig ohne Probleme. (Und ja, ich habe damals immer alle Außen/Innentaschen gecheckt. Ich war aber auch nicht sonderlich beliebt deswegen…)

Egal. Nach der Kontrolle gings also direkt in den neuen Block. Oberrang. Kann man machen, klappt in München ja auch. Und auch mein Heimatblock im Volkspark ist ein Stehplatzblock im Oberrang. Alles kein Ding.

Problematisch allerdings: Die Stufen in Bremen, auf denen die Gäste stehen, sind sehr schmal. Und damit nicht genug: Zwischen den Wellenbrechern (Hinter jeder Stehplatzreihe ist ein Wellenbrecher, weil die Sitze, die bei internationalen Spielen runtergeklappt werden, dort fest montiert sind) sind zwei Stufen. Zwei schmale Stufen statt einer breiten, wie in Hamburg. Wer da “Wer nicht hüpft, der ist ein Bremer” zelebrieren will, muß aufpassen, wo er hin hüpft.
Doch damit nicht genug – direkt neben uns hörte mitten im Block die Stufe auf. Es gab eine Unterbrechung von vielleicht 20 Zentimetern – breit genug, um eine fiese Stolperfalle zu sein. Vor allem und gerade bei Stehplätzen, wo eben auch mal gehüpft wird, oder alle beim Torjubel ein wenig durch die Gegend pogen.

Ich erzähle das alles, weil ich schon sehr früh starke Zweifel an der Sicherheit des Gästeblocks und der gesamten Umsetzung äußerte. Ich habe recht früh gesagt, daß man durch die Anordnung der Stufen in der Nähe eines Bengalos nur schwer Platz machen kann. Und daß man als Gästefan die Anzeigentafel nicht sehen kann, da man sie direkt vorm Kopf hat, lassen wir jetzt einfach mal außen vor.

Zum Spiel selbst ist schon fast alles gesagt: Der HSV lag zwonull hinten, kämpfte sich durch Ruud und Pitti (!) zurück ins Spiel. Und dann bringt Veh, was keiner verstand, Troche. Wo wir alle hofften, daß er Petric bringt – weil der immer für ein Tor gut ist.

Der Rest ist Geschichte. Troche verliert kurz vorm Ende einen schnöden Zweikampf, daraus ergibt sich ein Konter – dreizwo. Alles aus.

Natürlich hat Troche (Achtung, nach meiner *hüstel* Taktikkompetenz und meiner Erfahrung als Security glänze ich jetzt mit meinem Jura-Studium) die Kausalkette in Gang gesetzt, die zum Gegentor geführt hat. Dennoch fand ich persönlich Vehs Reaktion nach Abpfiff (Gehöriger Anschiss vor allen Leuten für Troche) unprofessionell. Überzogen. Unnötig.
Das Spiel hat nicht alleine Troche vergeigt. Wir hätten uns zum Beispiel gar nicht erst die beiden Angriffe zulassen dürfen, die zu den ersten zwei Toren geführt haben!

Ach, lassen wir das. Es hilft ja leider nicht.

Kommen wir zu etwas anderem: Ich wäre nämlich dafür, daß man außen am Weser-Stadion irgendwo gut sichtbar den Hinweis “Dauerwerbesendung” anbringt. Natürlich befinden wir uns im Profifußball, klar gibt es Bannerwerbung und Werbejingles. Aber muß man wirklich jede Ecke akustisch mit einem Tröten ankündigen? Jede Karte, jeden alles? Bei uns werden manche Sponsoren (Karten, Ecken) einfach nur stumm auf der Tafel eingeblendet, ohne Ton.

Es ist ja vielleicht auch ganz niedlich, daß sofort nach jedem Tor ein “Sponsor XY brennt für Werder… und knipst das Licht an” auf den Werbeflächen der Haupttribüne und der Gegengerade erscheint. Aber ob das bei einem Gegentor so glücklich ist? Ich mein ja nur.

Was sich auf der großen Anzeigentafel bei Toren, Ecken, Karten oder Ballkontakten werbetechnisch abspielt, vermag ich indes nicht zu beurteilen: Ich konnte sie aus dem Gästeblock heraus schließlich nicht sehen.

Ich vermute aber, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis beispielsweise Pizzaro einen Personal-Sponsor bekommt, und bei jedem Ballkontakt der Duft frisch gebackener Pizza im Stadion verströmt wird, um den Verkauf in der Pause anzukurbeln.

Aber auch das werde ich nicht ändern können. Wenden wir uns lieber den Geschehnissen nach dem Spiel zu.
Ich habe lange weitestgehend geschwiegen, was für mich ziemlich selten ist. Ich habe verfolgt, was die Medien draus machen. Was die Bremer Polizei äußert. Und wann endlich die ersten beginnen, die zweite Variante der Geschichte aufzuschreiben.

Ich weiß nicht, wer an dem Unglück nach dem Spiel Schuld ist. Ich weiß nicht, wie es wirklich angefangen hat und ob es “den/die Schuldigen” überhaupt gibt. Ich weiß aber, daß vieles von dem, was allgemein so behauptet wird/wurde, nicht stimmt.

Ich war dabei. Ich war im Gästeblock. Und ja, es war vorher von der Bremer Polizei schon schriftlich über die Supporters angekündigt und im Stadion durchgesagt worden, daß es eine Blocksperre von 20 Minuten geben würde. Das ist ja kein Problem, das kennen wie schon – aus Bremen und von internationalen Spielen.

Wenn die Polizei jetzt behauptet, die Sperre sei nur 7 Minuten länger gewesen als angekündigt, dann ist das schlichtweg falsch. Wir waren nicht im Gedränge, sondern noch drin im Block und haben gewartet, bis sie die Treppen freigeben. Von unserem Platz aus blickten wir genau auf einen Treppenabgang. Und noch um 20.58 Uhr twitterte Nedfuller “Zwanzig Minuten sind in Bremen ein dehnbarer Begriff”. Selbst wenn man davon ausgeht, daß das Spiel um 20.20 Uhr endete – dann waren knapp 40 Minuten später die Ausgänge immer noch versperrt. Und es gab keinerlei Durchsagen, daß oder wieso sich die Blocksperre verlängert – und daß die Züge Richtung Hamburg warten würden.

Ich vermag keine Schuld zuzuweisen. Das ist die Aufgabe der Kripo, und ich hoffe, daß das Unglück schnell und komplett aufgeklärt wird und die Polizei in Zukunft unten das Tor zu macht, anstatt an so einem kritischen Punkt eine Sperre zu errichten.

Aber ich weiß, daß vorschnelle Schuldzuweisungen, und dazu gehören auch und vor allem Aussagen wie “HSV-Fans, die zum Zug wollten, haben die Absperrung durchbrochen” (Na ja, was will man machen, außer nach vorne fallen, wenn die Polizei am Treppenabsatz eine Sperre errichtet und von hinten ein ganzer Block kommt, der teilweise gar nicht weiß, daß vorne noch zu ist?) und “Typisch HSV-Assis, die können sich auch nirgends benehmen” (Das ist in etwa, wie wenn man nen Opa die Treppe runterwirft und dann “Hey Opa, was rennst Du denn so?” hinterher ruft) nicht angebracht sind.

Glaubt tatsächlich jemand, daß es sich hierbei um eine organisierte Aktion der HSV-Fans handelt? Daß wir uns verbrüdern, um der Bremer Polizei, mit der es jedes Mal Probleme gibt, eins auszuwischen? Daß wir uns kollektiv auf eine Blocksperre von 40 Minuten verständigt haben, obwohl es nur 27 waren, wie die Polizei berichtet?

Wir haben, wir erwähnt, den Gästeblock sehr spät verlassen. Wir sahen die Verletzten, die Sanis, die ankommenden Krankenwagen. Es gibt einen Fan, der wiederbelebt wurden mußte und im künstlichen Koma liegt. Es gibt zahlreiche Verletzte auf beiden Seiten. Alles Dinge, die es nicht geben sollte, wenn Menschen zu einer Sportveranstaltung gehen und sich amüsieren wollen. Gute Besserung an alle, die zu Schaden gekommen sind!

Vorm Stadion sahen wir dann, daß die Polizei trotz der sehr langen Blocksperre und trotz des angekündigten Busverkehrs einen Kessel um die HSV-Fans gebildet hatte und sie am Gehen hinderte. Darauf hatte ich, ehrlich gesagt, nicht auch noch Lust. Ich weiß mittlerweile, in welchen Städten man sich am besten von der Polizei fern hält, um sicher zu sein. Bremen gehört dazu.

Ich habe dann, zum zweiten Mal in einer Woche, bei einem Derby eine Polizeikette umgangen. Völlig problemlos, einfach nur, indem ich einen leicht anderen Weg einschlug als alle anderen. Auf Seitenstraßen, um nicht wieder in den Pulk zu geraten, ging es dann zurück zur Straßenbahn.

Unterwegs wurden wir noch ne Runde von Einheimischen bepöbelt – O-Ton des feigsten Bremers in der Runde “Endlich bin ich mal in der Überzahl”.

Ich habe für mich selbst starke Zweifel daran, ob ich noch einmal nach Bremen fahre. Nicht wegen der sportlichen Niederlage. Sondern schlichtweg, weil ich mich dort nicht wirklich sicher fühle. Und ich weiß, daß ich bei weitem mit diesen Gedanken nicht alleine bin.

Das war heute sehr lang, und streckenweise sehr untypisch. Aber was im Kopf drin ist, muß irgendwann raus, sonst macht es mich verrückt.

Ich hoffe, Ihr seid alle heil aus der verbotenen Stadt nach Hause gekommen.
In diesem Sinne: Nur der HSV!

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