Da is’ das Ding!

 

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25. Mai. 2013

Ganz Deutschland ist heute im Fußball-Fieber. Das Finale der Champions League steht an – zwischen zwei deutschen Mannschaften.

Deshalb ist das Internet schon seit Tagen, achwas, Wochen, voll aufgeregter Fans. Das kann ich ja fast nachvollziehen, wäre der HSV involviert, man könnte mit mir vermutlich auch nur in Großbuchstaben und vielen Ausrufezeichen, immer wieder unterbrochen von spontanen FIIIINAAAALE!!-Rufen, kommunizieren.

Allerdings ruft ein Spiel wie dieses auch das Publikum auf den Plan, das sich sonst nur alle vier (bzw, zwei, wenn man die EM mitrechnet) Jahre Deutschland-Fähnchen auf die Wangen malt, sich schwarzrotgoldene Plastikblumenkränze umhängt, und ab und an leise “Welche sind wir?” fragt.

Irgendwie scheint jeder, aber auch wirklich jeder, heute dieses Spiel zu gucken. Und sogar für eine der beiden Seiten Partei zu ergreifen.

Für mich wäre Partei ergreifen quasi ein Ding der Unmöglichkeit. Da spielt Igitt gegen Pfui. Es gäbe für beide Seiten unzählige Gründe, weshalb ich sie weinen sehen will. Und zwar sowohl auf Fußball, als auch auf privaten Bekanntschaften basierend.

Wenn ich mich für jemanden entscheiden müßte, dann wäre ich für den Schiedsrichter. Da der aber nicht mitspielen darf und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit heute auch keinen Henkelpott gewinnt, werde ich das Spiel ignorieren.

Abgesehen davon ist Fußball ja nicht nur Finale. Fußball ist auch langweilige, schlechte Vorrundenspiele. Haben da auch alle, die heute völlig hysterisch sind, zugeguckt und mitgefiebert? Ich nicht! Wieso sollte ich dann jetzt hysterisch sein..?

Wir sind heute also nicht nur Fußball, nein, wir sind heute auch alle Finale! Also Ihr. Ich nicht – ich bin nämlich HSV, und der darf nicht mitmachen.

Für mich zählt heute nur ein Finale: Das vom 25. Mai 1983. Damals gewann der HSV den Europapokal der Landesmeister. Und zur Feier des Tages werde ich mir das Spiel anschauen – Youtube sei Dank.



23. Mai. 2013

Mannmannmann. Eigentlich wollte ich etwas über den letzten Spieltag schreiben. Über Abschiede, über Glaube, Liebe, Hoffnung – und darüber, warum eigentlich nur Nedfuller und Herzi Schuld sind, daß das Spiel verloren ging.

Und dann DAS. Der HSV, der die Saison als 7. beendet hat, beurlaubt seinen Sportchef Frank Arnesen. Lustigerweise steht das zwar schon auf der Vereinshomepage, aber noch nicht auf Facebook oder Twitter, wo der HSV sonst so fix ist. Da zeigt man lieber Bilder von Spielern, drachenbootfahrenderweise. Nun ja.

Und weil man ja als Profi-Club niemanden rauswirft, ohne Ersatz zu haben, schon gar nicht zum Beginn der Transferperiode…
Ach, was erzähle ich Euch. Ihr verfolgt den HSV ja auch schon ein paar Jahre.

Da man jetzt allerdings Angst haben muß, daß jetzt wieder eine zweijährige Suche beginnt, hier schon mal meine Kandidaten für den Job. Aber mich fragt ja keiner.

Ein Flohzirkusdirektor
Ja, ich weiß. Der hat keine Ahnung von Fußball. Aber das ist in dieser Branche eh nicht immer Einstellungsvoraussetzung. Ich finde einfach, wer erfolgreich so tut, als besäße er dressierte Flöhe in der Lage ist, Flöhe zu hüten und ihnen Kunststückchen beizubringen, der müßte auch in der Lage sein, beim HSV die Schäfchen und das Geld zusammenzuhalten.

Bruce Willis
Schon alleine, damit er nach einem Sieg gegen Bayern “Yippie-Ya-Yeah, Schweinesteiger!” ins Mikrophon röhrt. In einem zerfetzen Unterhemd mit Grasflecken. HACH!

Ein Kasten Bier
Nee, ernsthaft. Dann lassen wir einfach diesen Investor über die nächsten Transfers entscheiden. Vielleicht ist der ja auch dicke mit den Beckhams, wer weiß.

Roooobäääärt
Eins hat Roooobäääärt dem HSV nämlich voraus: Er weiß, wie man aus sch…önen Dingen Geld macht.
Zunächst bekommt das Stadion eine Schlauchboot-Optik, im Fan-Shop gibts Gutschi und HuiVuitton in Vereinsfarben und die Spieler bekommen allesamt blonde Strähnchen und ein Abo für die Sonnenbank. Da kommt der Erfolg ganz von allein!

Peter Zwegat
Ich glaube zwar nicht, daß er uns vor weiteren Fehleinkäufen bewahren könnte – aber wer im TV Menschen “Raus aus den Schulden” verhilft, der kann doch vermutlich auch dafür sorgen, daß wir finanziell auf der sicheren Seite sind.

Daniela Katzenberger
Wir wollen doch immer Frauenpower… wieso nicht mal eine Sportchefin? Wenn alles zu schlimm wird, könnte sie als gelernte Kosmetikerin immerhin noch alles hübsch aussehen lassen. Und sonst so? Lewwerworschd.

Uli H. aus M.
Wo wir grad bei Worschd sind… Uli H. aus M. kennt sich damit aus. Und mit Fußball. Und damit, wie man aus wenig Geld viel Geld macht, ohne, daß es jemand merkt. Und wenn er dann noch nen roten Kopf vor Wut kriegt… sparen wir sogar die Kosten fürs Flutlicht.

Der pompöööööööse Harald
Ja, Ihr merkt schon – ich verirre mich ab und an mal in die dunkleren Seiten des TV-Programms. Aber nur ganz selten, ehrlich!
Mit Harald G. bekäme der HSV ein völlig neues Gesicht. Nein, nicht Botox! Ich meine einfach, ein glamouröseres. Hier ein wenig Glitter, da ein bißchen Blingbling, und schon braucht kein Mensch mehr eine funkelnde Meisterschale. Und wer weiß, vielleicht käme dann ja auch das Glööck im Spiel zurück.

So. Jetzt drehen wir das Sportchef-Transfer-Karussell einfach mal gaaaaanz schnell und gucken, wer dabei runterfällt.
Ich hoffe, die Entscheidung geht schnell – schließlich ist der Sportchef nicht die eigentliche Personalie, um die sich der HSV im Sommer kümmern sollte.

In diesem Sinne: Danke Frank!

Glaube, Liebe, Hoffnung.
NUR DER HSV!

PS: Liebe Fans anderer Vereine… Wie fühlt sich so eine ruhige, ereignislose Sommerpause eigentlich an?

17. Mai. 2013

Ich weiß noch genau, wo ich war, damals, im Mai 2001, als Schalke fünf Minuten lang Meister war.
Ich saß mit Stadionkumpel B. in Heidelberg in meiner Stammkneipe und schüttelte ungläubig den Kopf über meinen HSV. Nicht zum letzten Mal in meinem Fan-Leben.

Seit jenem Tag hatte der HSV bei vielen Fans anderer Vereine diesen Makel: Ihr seid Schuld. Ihr habt es versaut.

Als der HSV am Samstag nach Hoffenheim fuhr, um die am Abgrund zur zweiten Liga taumelnde TSG in die Tiefe zu stoßen, bot sich die Möglichkeit, diesen Makel ein wenig auszubügeln. “Versaut es nicht wieder!” hörte ich häufig im Vorfeld.

Und da man wichtige Dinge am besten selbst macht, machte ich am Samstag das, was alle normalen Menschen am Wochenende so machen: Ich fuhr ins Grüne.

Bisher kannte ich diese Freizeitgestaltung ja eher von Hören sagen – ich fahre am Wochenende nämlich eher nicht ins Grüne, denn das wäre ja Bremen, sondern ins Schwarz-Weiß-Blaue.

Und mein Schwarz-Weiß-Blaues ist dann doch eine andere Art der Idylle als das Grüne, in das Unmengen Großstädter Wochenende für Wochenende aufbrechen.
Blumen gibt es keine, der Rasen steht zwar im Mittelpunkt, ist aber überschaubar – und mit der Ruhe und dem Vogelgezwitscher ist das auch eher so ‘ne Sache.
In meinem Schwarz-Weiß-Blauen pfeifen keine Vögel, sondern der Schiedsrichter (oder das unzufriedene Hamburger Publikum) und wenn’s wirklich still ist, dann läuft irgendwas gründlich schief.

Dann war da also dieses “ins Grüne” am Samstag – ein Stadion mitten in der Pampa, umgeben von Rapsfeldern, Äckern, grünen Wiesen – und mit einem Froschteich vor der Tür, der mehr Lärm machte als die Heimfans. (Ich wünschte, es wäre ein Scherz – es ist aber keiner.)

Für mich war es der erste Besuch im Sinsheimer Stadion – damals, in der ersten Erstligasaison, stand ich im Mannheimer Carl-Benz-Stadion im Block und sah meinen HSV verlieren.

Es folgten für den HSV weitere unschöne Spiele im Kraichgau. Die Bilanz vor Samstag: Vier Spiele, ein Punkt, 1:12 Tore.
Das ging so nicht, da mußte mal jemand ran, der Ahnung hat. Thorsten Fink. Son und Rudnevs. Das Nudelholz und ich.

Ich war im Stadion, wie ich immer im Stadion bin – viiiiiiel zu früh. Und dennoch war der Gästeblock proppenvoll. Fast 90 Minuten vor Anpfiff war es schwer, überhaupt noch einen Platz zu finden, es wurden Fahnen geschwenkt, geklatscht und gesungen. Bombenstimmung! Zumindest an meinem Ende des Stadions.

Stadionkumpel B. war diesmal übrigens auch wieder da. Wir fanden uns im Gedränge des Blocks allerdings nicht. Vielleicht besser so – unsere letzten gemeinsamen Spiele endeten jeweils mit unschönen Niederlagen und dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal.

Diesmal sollte alles anders werden. MUSSTE. Für den Hoffenheimer Abstieg – und eine kleine Rest-Chance, doch noch den Sprung ins internationale Geschäft zu schaffen.

Aufregung? Fehlanzeige. Aus irgendeinem Grund war ich schon den ganzen Tag tiefenentspannt. Und das, wo das mit dem HSV nicht immer so gut klappt gegen Vereine, die unten drin stehen – und es für Hoffenheim die letzte halbwegs realistische Chance war, sich vorm Abstieg zu retten.

Eigentlich KONNTE der HSV nur verlieren. Tat er aber nicht. Son traf in der 18., Aogo in der 35. – ein Zwonull bei einem Abstiegskandidaten reichte für eine sehr entspannte, wenn auch franzbrötchenlose Halbzeitpause.

Danach ging’s gut weiter: Jiracek erhöhte in der 60. auf 3:0. AUS!WÄRTS!SIEG!
Daß direkt im Anschluß das Dreieins fiel… nunja. Schade, ein wenig unnötig – aber nichts, was mich aus der Ruhe bringen würde.

In der 78. brachte Fink dann Rudnevs, zehn Minuten später machte der das 4:1. FUCKYEAHAUSWÄRTSSIEG!

Was folgte, waren lange Gesichter seitens der Hoffenheimer, eine AuswärtsUFFTA – und dieses wunderbare Transparent in den Händen unserer Mannschaft:

Tradition schlägt jeden Trend

Sehr viel mehr braucht es eigentlich gar nicht, damit ich einen verdammt guten Tag habe. Und weil ich so ein unheimlich bescheidenes Ding bin, könnten wir das doch einfach in ein paar Stunden gegen Leverkusen noch mal wiederholen, oder?

Ich werde natürlich die gleichen Klamotten tragen wie in Hoffenheim und ich habe heute Abend, wie vor meinem letzten Heimsieg gegen Düsseldorf und dem Aus!Wärts!Sieg! in Sinsheim, Pizza gegessen. Man muß schließlich Opfer bringen. Den Rest macht dann der liebe Gott Golfsburg.

In diesem Sinne:
Glaube, Liebe, Hoffnung.
NUR DER HSV!

PS: Der einzige Nachteil daran, daß Hoppenheim dann ab 17.20 Uhr wieder in der zweiten Liga stehen wird: Ich kann vorerst nicht mehr in meinen Farben durch meine Stadt. Aber dieses Opfer bringe ich gerne.

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