Da is’ das Ding!

 

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20. Sep. 2014

Eine Woche nach meinem ersten echten Auswärtsspiel folgte mein erstes echtes Heimspiel. Ein Heimspiel, zu dem ich nicht mit dem Zug, sondern mit der S-Bahn anreisen würde. Und jetzt kommt mir bloß nicht mit den Spielen in Berlin! Dort war ich nie wirklich zu Hause.

Ich freute mir schon Tage vorher ein Loch in den Bauch. Abweichend von der Sonnabend-Tradition bestand ich drauf, das Frühstück in meine Wohnung zu verlegen.

Zum üblichen Treffpunkt in Eidelstedt mußten wir zehn Minuten vorher los – ich habe die S-Bahn vor der Haustür und brauche nur fünf Minuten mit der Bahn. Mein fettes Grinsen darüber sprach wohl Bände.

Insgesamt war ich gespannt, wie sich das alles anfühlen würde. Mein Umzug war ja nicht die einzige Änderung in der Sommerpause.

Als ersten Gast sollten wir Paderborn begrüßen – Aufsteiger, aber nicht so ‘gefährlich’ wie Köln. Dachte ich. Da geht was. Dachte ich. Wenn wir so wie in Köln spielen, hauen wir die wech. Dachte ich.

Tja.

Aber von vorn.

Endlich wieder zu Hause

Trotz Umzugs, Ausgliederung, CFHH-Rücktritt wirkte erst mal alles wie immer. Der Weg zum Stadion, die Vorfreude, die Kontrollen am Eingang. Die Begrüßung mit dem Lieblingsordner in 22 c. Das Ächzen, bis wir da ankamen, wo wir seit Jahren stehen. Und das ENDLICH WIEDER ZU HAUSE in meinem Herzen.

Wer sich an die sportliche Seite der letzten Saison erinnert, weiß: wie immer ist nicht immer gut. Leider war es auch auf dem Platz wie immer. Oder zumindest wie letzte Saison.

Ideenloses Rumgestümper, kaum Bälle nach vorne, kaum Torschüsse, folglich auch mal wieder keine HSV-Tore.

Dafür von Paderborn blamieren lassen und drei Buden kassiert.

Tja.

Erstes Heimspiel und schon wieder alles doof. Schon wieder “Wir woll’n Euch kämpfen seh’n” und andere Rufe, die ich eigentlich so schnell nicht wieder hören wollte.

Erstes Heimspiel und schon wieder mit schlechter Laune und gesenktem Haupt ausm Block.

Unterm Strich lief mein erstes echtes Heimspiel nicht wirklich so, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Hätte ich das gewusst, hätte ich auch in Berlin bleiben können!

(An die mitlesenden Umzugshelfer: keine Sorge. Ich geb’ den Jungs noch mal ‘ne Chance. Mindestens eine.)

15. Sep. 2014

Meine ersten Jahre als HSV-Fan bin ich fast ausschließlich auswärts gefahren. Klar, wenn man Teenie ist und 600 km von Hamburg entfernt wohnt, ist das mit den Heimspielen eher schwierig. Stuttgart, Karlsruhe, Frankfurt, Lautern – sehr viel mehr war damals nicht drin.

Durch meinen Umzug nach Berlin nach dem Studium rückte Hamburg in Pendel-Distanz und meine Anzahl an Heimspielen stieg rapide an und der Radius meiner Auswärtsfahrten erweiterte sich.
Mit der Dauerkarte kamen dann noch mehr Heimspiele dazu. Dennoch war natürlich jedes Heimspiel irgendwie auch ein Auswärtsspiel.

Gleichzeitig fühlten sich aber meine Auswärtsspiele auch nie ganz richtig an – sie begannen und endeten eben nicht in Hamburg.

Jetzt also, endlich: echte Auswärtsspiele und echte Heimspiele.

Wir starteten in die Saison mit einer Auswärtstour nach Köln. Mit dem Auto ging’s am Sonnabend früh los auf die Autobahn. Außer einigen Regengüssen, die uns so die Sicht nahmen, daß wir nur noch mit 40 km/h voran kamen, lief alles super.

Wir kamen unterwegs durch lustige Ortschaften mit Namen wie ‘Sträßchen’ (Es war auch nur ein Sträßchen mit wenigen Häusern rechts und links) und ‘Fettehenne’ (Ich konnte keinerlei Geflügel entdecken – was für ein Etikettenschwindel!).

Die Suche nach dem für Gäste empfohlenen Parkplatz kostete uns in Köln fast mehr Zeit als die ganze Fahrt – es schien P1 bis P3 zu geben, aber eben keinen P4. Und genau zu dem wollten/ sollten wir.

Irgendwann siegte die Ungeduld und wir parkten einfach auf dem nächstbesten.

Also rein in die Klamotte und ab in den Gästeblock. Umgucken. Durchatmen. Endlich wieder Fußball!

Köln begrüßte uns (oder eher sich selbst in der Bundesliga) mit Cheerleadern, Konfetti und einem kölschen Spruchband.

Spruchband

Bei Zwischenständen von anderen Plätzen ertönt ein Meckern von Hennes und die Brötchentaste im Parkhaus nebenan heißt offenbar ‘Kiss & Ride’. Aber hey, andere (Bundes)Länder, und so.

Statt Brötchentaste

Das Spiel an sich war ganz okay. Der HSV traf das Tor nicht, kassierte aber wenigstens auch kein Gegentor. Man wird ja bescheiden.

Endstand

Auf der Rückfahrt gab’s wieder Starkregen und bei ‘Friedhelm’s Truckstop’ okaye Currywurst und ziemlich großartige Pommes.

WDR 2 spielte allen Ernstes im August ‘Last Christmas’ und in Leverkusen stand zu meiner großen Überraschung plötzlich ein Stadion neben dem Grünstreifen der Autobahn – und das ganz ohne Vorwarnung.

Unterm Strich waren wir dann also 873,3 Kilometer und rund 14 Stunden unterwegs, für 90 Minuten Fußball und null Tore…

Aber hey, endlich wieder Fußball! Und nachts von einer Auswärtsfahrt zurück zu kommen und an Köhlbrandbrücke und Hafenkränen vorbei nach Hamburg rein zu fahren…. HACH!

12. Sep. 2014

Ich war unzählige Male vor meinem Umzug in Hamburg. Ich dachte, ich würde die Stadt kennen. Das tue ich auch, auf meine Art. Aber eben anders. Mit den Augen von jemandem, der sonntags wieder in den Zug steigt und weg fährt.

Jetzt lebe ich hier, und erlebe die Stadt völlig neu. Als Hamburger. Verzeihung: Quiddje.

Vor einigen Wochen nach der Arbeit, es war wunderbar warm, fuhr ich zum Hafen. Ich wollte schon länger mal wieder mit der Hafenfähre fahren, schließlich habe ich ja inzwischen eine Profi Card des HVV.

Es war mir völlig egal, wohin ich dabei fahre. Hauptsache, Fähre.

Die erste, die kommt, fährt Richtung Finkenwerder. Also rauf aufs Schiff, die Nase in den Wind halten und darüber freuen, wie die Sonne sich in den sanften Wellen der Elbe bricht.

Unterwegs überlege ich, wo ich eigentlich aussteigen will. Als wir Neumühlen erreichen, springe ich spontan vom Schiff. Eine gute Entscheidung.

Ich laufe am Museumshafen vorbei, passiere die Biergärten und Restaurants. Es ist heiß, ich brauche dringend eine Abkühlung und finde sie bei “Sutsche”, kurz bevor der Weg aufhört, und der Elbstrand beginnt. Sutsche, das hat man mir mittlerweile beigebracht, ist nie verkehrt. Und wenn ein Laden Sutsche heißt und hausgemachtes Eis verspricht, dann wird auch das so verkehrt nicht sein.

Sutsche to go

Wenig später sitze ich mit meiner Eiswaffel am Elbstrand und es ist tatsächlich alles richtig und gut. Hach. Ich ziehe die Schuhe aus und vergrabe die nackten Füße im warmen Sand. Wieso hab ich das nicht viel früher gemacht?

Man hört das Plätschern der Wellen, wenn ein größerer Pott die Wasseroberfläche durchpflügt. Gegenüber beladen meine geliebten Hafenkräne einen großen Kahn mit Hamburg Süd Containern. Es rummst und scheppert, wenn die Container aufeinander treffen. Ich frage mich, wo sie wohl hin geschippert werden. Und ob sie nicht lieber hier blieben, mit Blick auf den Elbstrand.

Hach, Hamburg.

So. Genug im Sand gesessen… Ich gehe auf die Wellen am Ufer zu und merke, daß ich die einzige bin. Nur ein paar Meter weiter planscht ein Kind. Sonst halten sich alle vom Wasser fern, obwohl es unglaublich heiß ist. Egal. Muß jetzt sein.

Meine innere Fünfjährige planscht begeistert im Wasser rum und gräbt die Zehen in den nassen Sand. Irgendwann fällt mir ein, daß ich kein Handtuch mit habe. Und mir beim Gehen gleich die Füße panieren werde. Ach, egal.

Ich laufe los, durch den Sand, immer an der Elbe lang. Mit den Schuhen in der Hand und einem fetten Grinsen im Gesicht. Hach, Hamburg. Ich hatte ja immer geahnt, daß ich hierher gehöre. Langsam merke ich, daß ich damit recht hatte.

Ich komme an der Strandperle an, es ist knackevoll. Alleine hinsetzen mag ich mich nicht. Der Plan fürs nächste mal ist aber klar: In Begleitung wiederkommen, und in der Strandperle ein Bier trinken. Aber keins aus Bremen.

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