Da is’ das Ding!

 

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14. Sep. 2000

Wow… Welch ein Tag!!!! Ich glaube, ich werde den 13.09.2000 noch eine Weile in Erinnerung behalten….. Hamburg-Juventus in der Champions League…. Ich kann nur für jeden von Euch hoffen, daß er das Spiel sehen konnte!!!! Es war irre.
Erstmals hatte RTL abstimmen lassen, welches Spiel die Zuschauer sehen möchten – Bayern bei Helsingborg oder die Neuauflage des CL-Finales von 83: Hamburger SV – Juventus Turin.

Ein Spiel wie damals, vor 17 Jahren in Athen – Juve als klarer Favorit, 11 völlig motivierte Hamburger, die plötzlich die “alte Dame” stürzen können.

Volksparkstadion, 20:45 Uhr. 48 500 Zuschauer sind gekommen – das heißt ausverkauftes Haus. Der HSV hätte für dieses Spiel locker 200 000 Karten verkaufen können, so groß war die Begeisterung. Die Ränge durchgehend schwarz-weiß-blau, die Fans spielen verrückt vor diesem großen Spiel.

Die Aufstellungen: Juventus – zwar in Italien noch nicht in die Saison gestartet und folglich uneingespielt, am letzten Spieltag der letzten Saison auch noch aufs peinlichste den Titel vergeigt (Wie hier Leverkusen) – aber diese Namen in der Aufstellung….. Ein jeder von ihnen Nationalspieler, ein jeder ein Millionengehalt und die gesamte Mannschaft sicherlich einen Markwert von hunderten von Millionen, wenn nicht sogar von ein paar Milliarden.

Auf der anderen Seite der HSV. Vor ein paar Jahren noch stark abstiegsgefährdet, jetzt ein Team mit motivierten Jungstars, die vielleicht irgendwann einmal Nationalspieler werden könnten, und ein paar Altstars, deren Namen wenigstens noch bekannt sind in Europa. Dafür: Spielfreude und Motivation ohne Gleichen und nicht zuletzt nahezu 48 500 peitschende Fans im Rücken.

Das Spiel beginnt, und gleich zeigt sich die Klasse von Juve. Obwohl sie noch in der Saisonvorbereitung stehen, sieht alles so leichtfüßig aus, so gekonnt. Zinedine Zidane (französischer Nationalspieler, somit gleichzeitig Europa- und Weltmeister) schwebt mit dem Ball am Fuß geradezu durch die Gegend. Das anfängliche Abtasten und der Versuch, ins Spiel zu finden beginnt – und nach wenigen Minuten die ersten Schüsse um Butts Ohren. Der in der 7. Minute vom italienischen Abwehrspieler Tudor trifft. 0:1 für Juve – der Schock sitzt tief. Zu Beginn noch die Hoffnung, dem Rekordmeister vielleicht mit List und Frechheit ein Pünktchen abnehmen zu können, nun erst mal Angst vor einem Schützenfest.

Doch die Spielfreude, der Wunsch, zu zeigen, daß der HSV zu Recht letztes Gründungsmitglied der Bundesliga ist, zu zeigen, daß die großen Erfolge der siebziger und achziger wiederholt werden können, sind noch da. Wenig später ein Weitschuß von Hollerbach – direkt aufs Tor und mit enormer Schußkraft. Hollerbach ist der härteste Schütze Hamburgs, doch der niederländische Nationaltorwart van der Sar, der erste Ausländer zwischen den Pfosten Juves, hält unbeirrt. In der 17. Minute dann ein Freistoß. Rudolfo Esteban Cardoso legt sich das Leder zurecht, flankt weit in den Strafraum – direkt auf den Kopf von Antony Yeboah. Der Mann aus Ghana trifft und jubelt. Das hochverdiente 1:1 – der Taumel auf den Tribünen ist riesengroß. Yeboah hatte seit dem 9. Februar nicht mehr getroffen, konnte endlich seinen langen Leerlauf beenden. Mit einem der wichtigsten Tore seiner Karriere. Yeboah hatte am vergangnen Samstag in Bochum beim überragenden 4:0-Sieg noch die Bank gedrückt, so, wie er es am heutigen Donnerstag wieder auf der Anklagebank im Frankfurter Gerichtssaal tun muß.

Juventus taumelt. Der HSV dominiert nun klar, drängt die Italiener weit in die eigene Spielhälfte zurück und drückt ihnen ihr Spiel auf. Auch die verletzungsbedingte Auswechslung des Kapitäns Groth stört das Spiel nur unwesentlich. Der eingewechselte offensive Stig Töfting macht seine Sache gut. Die Hanseaten sind wie entfesselt – und trotzdem jubeln plötzlich die wenigen Italiener im Stadion. 1:2, erneute Führung für Juventus, ein Tor von Inzaghi nach einem raffinierten Zuspiel von Zidane. Unverdient, wohl gemerkt. Aber geschickt herausgespielt. Kovac, der Manndecker von Zidane, war machtlos – gegen so viel Fußballpower kommt man alleine nicht an. Nicht, wenn man Spieler von 1860 München und dem VfL Bochum gewohnt ist. Hier reicht eine kleine Unachtsamkeit und die Gegner führen.

Die erste Halbzeit neigt sich dem Ende zu – ein Ausgleich der Hamburger wäre psychologisch wichtig und mehr als verdient. Die Chancen fallen im Minutentakt – die Tore jedoch nicht.

Halbzeit. Der Trainer gibt neue Anweisungen in der Kabine, viele Fans versuchen erst einmal, durch zu atmen. Denn bisher blieb einem bei diesem Spiel buchstäblich die Luft weg….

Die zweite Halbzeit. Hollerbach wird durch den Jungspund Marcel Ketelaer ersetzt. Ketelaer ist süße 21, kam zu Saisonbeginn vom Zweitligisten Mönchengladbach, kostete die Hanseaten 5,5 Millionen Mark. Schon jetzt hat er sich bezahlt gemacht mit seiner Spielfreude und seinem unglaublichen Talent. Ein sicherer Nationalspieler der Zukunft.
Eben dieser Ketealer sieht nicht die großen Namen, die ihm gegenüber stehen, die Zidanes, Del Pieros oder Davids – er sieht nur, daß er frecher, flinker und gewitzter Fußball spielen kann und beginnt zu zaubern. Er rennt zur Not mit dem Ball am Fuß über das ganze Spielfeld, er erarbeitet Chancen und flankt immer wieder vor das Tor der Italiener. Die Vorarbeit scheint perfekt, nur der Abschluß will nicht so ganz gelingen. Die Fans peitschen ihre Hamburger voran doch schon in der 52. Minute wieder eine Unachtsamkeit – und Filippo Inzaghi trifft erneut. Eine Ohnmacht überkommt mich. Sollte der Fußballgott wirklich so wenig Hamburger sein? Sollte die einzige mir unsympathische Aussage, die ich je von Michael Schumacher vernahm, nämlich, daß er in diesem Spiel mehr zu Juve hält als zum HSV, Wirklichkeit werden? Nein, noch sind fast 40 Minuten zu spielen. Der HSV gibt sich nicht auf, kämpft, als gälte es, den Sieg in trockene Tücher zu bringen und nicht, einen Zwei-Tore-Rückstand gegen die große Dame Juventus aufzuholen.
Der HSV bäumt sich mit aller Gewalt auf, überrennt Juventus immer wieder auf dem Weg zum Tor.
Schließlich eine Traumflanke von Ketelaer in den Strafraum. Yeboah irritiert Van der Sar, sein Schuß geht vorbei – aber Mehdi Mahdavikia, der kleine Iraner, der sich mit seinem Tor im WM-Spiel des Iran gegen die USA zuhause zu Unsterblichkeit verhalf, stochert den Ball im Rutschen ins Netz. 2:3 – der HSV ist wieder im Spiel.

Trainer Pagelsdorf setzt alles auf eine Karte, bringt mit Roy Präger seinen fünften Stürmer. Fünf Stürmer, Offensivfußball pur – aber auch ein bißchen die Angst, daß die Abwehr hinten alleine nichts gegen den Millionensturm der Italiener ausrichten kann. Die Angst ist unbegründet. Plötzlich eine Szene im Strafraum – ein Pfiff, eine Handbewegung, die sich jeder HSV-Fan von Herzen gewünscht hatte: Die Chance zum Ausgleich – ein Elfmeter für Hamburg. 48 500 Stimmen brüllen nun frenetisch immer wieder den Namen des Hamburger Elfmeter-Helden: Butt! Butt! Butt! Schallt es durchs Stadion und dem ein oder anderen Fan wird schlecht vor Aufregung. Es ist die 75. Spielminute, der Ausgleich liegt in der Luft, meine Eingeweiden ziehen sich zusammen und brennen wie Feuer. Anlauf – Schuß – TOR! Unglaubliche Szenen auf den Rängen, die Fans fallen jubelnd durcheinander, Freudentränen fließen und Butt kuckt, als habe er gerade gegen einen A-Jugend-Torwart verwandelt. Souverän, wie bei jedem seiner 16 Strafstöße in der Bundesliga, ein Mann ohne Nerven.

Eigentlich dürften sie keine Luft mehr haben zum Laufen, die Jungs aus dem hohen Norden – aber sie geben alles, spielen mit 120 %, als ginge es um ihr Leben. Und wie manchmal im Leben, der Fleiß wird belohnt. Ein Fehler in der Abwehr der Italiener, ein Tor für den HSV. Der Mann mit der Nummer 11 auf dem Rücken zieht sich das Trikot über den Kopf und jubelt – aber er braucht sich nicht zu verstecken, es kennt ihn ja doch jeder…. Niko Kovac schießt den HSV nach einem 1:3 Rückstand gegen Juventus Turin mit 4:3 in Führung. Ein Traum wird wahr.

Es sind nur noch 8 Minuten zu spielen, der Sieg liegt greifbar nahe. Juventus scheint ausgepowert, überrascht über die Stärke der international eher unbekannten Hamburger. Der HSV rennt weiter auf das Tor der Italiener, nur ab und zu starten diese einen Konter. Wie in der 87. durch Inzaghi. Im Strafraum verliert ein Hamburger den Kopf, zieht ihn am Trikot. Inzaghi fällt theatralisch – eine Schwalbe. Der Elfmeter gilt trotzdem – leider. Trikot-ziehen ist nun mal verboten. Wie dumm, so etwas in solch einer Spielsituation zu machen.
Die Gedanken nun wieder bei Butt, bei all den Strafstößen, die er in der Bundesliga schon vereiteln konnte. Hoffnung glüht tiefrot – aber Inzaghi kennt keine Gnade. Butt ahnt die richtige Ecke, macht sich lang – aber Inzaghi schießt plaziert in die Ecke. 4:4 Ausgleich, noch zwei Minuten zu spielen.

Es ist ein wahnsinniges Spiel, ein Spiel, wie es spannender nicht hätte sein können. Der HSV beweist eindrücklich, daß er seinen aktuellen Platz oben in der Tabelle zurecht hat und v.a. daß er zu recht in der Liga der Landesmeister vertreten ist. Noch haben beide Teams die Chance auf den Siegtreffer, die Schüsse gehen jedoch ins Leere.

Zuletzt heißt es 4:4, ein Spielstand, den so sicherlich niemand getippt hätte. Ein 1:1 wäre machbar gewesen, ja. Aber gegen Juventus 4 Tore zu schießen…? Daß auch im Fußball nichts unmöglich ist, hat dieser Tag wieder einmal gezeigt. Und, daß Wille und Motivation eine Mannschaft nach vorne treiben können.

Trainer Pagelsdorf ist einerseits stolz über die grandiose Leistung seiner Schützlinge, die sich von den größten Europas nicht haben beeindrucken lassen. Aber es ärgert ihn auch, daß ein fast schon sicherer Sieg, der die Sensation perfekt gemacht hätte, durch Dummheit noch aus den Händen gegeben wurde.

Auch wir Fans ärgern uns – aber endlich darf man wieder stolz sein, die blau-weiß-schwarze Raute zu tragen. Europa, nehm Dich in acht – der HSV ist wieder da!

Achja…. Während des gesamten Spiels hat der Himmel über dem Volksparkstadion Hamburg geweint – aber sicherlich nicht über die fußballerische Leistung des HSV 2000!!

(Dieser Text wurde am 14.09.2000 auf dooyoo.de veröffentlicht)

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