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30. Jun. 2009

Als ich klein war, fand ich Michael Jackson richtig doof. Ich weiß gar nicht, weshalb – ob es die kieksige Stimme und die vielen hohen Schreie waren, oder der ständige Griff in den Schritt – wenn im Radio Jacko kam (und wir wissen alle, in den späten 80ern und frühen 90ern kam ne ganze Menge Jacko im Radio) – schaltete ich um oder ganz ab.

Irgendwann drehte sich das, und ich erkannte, daß Michael Jackson zwar eine Kunstfigur war, eine Art Außerirdischer, anders als alle anderen – aber dennoch (oder vielleicht gerade deswegen?) teilweise ein echtes Genie.
“Billie Jean” wurde zu einem meiner Lieblingslieder, und ich freute mich jedes Mal aufs Neue, wenn bei den Abschlußbällen der Tanzschule die Thriller-Choreo nachgetanzt wurde.

Die OP-Meldungen nahmen zu, irgendwann die ersten Nachrichten, Michael Jackson sei die Nasenspitze abgefallen. Gleichzeitig wurde die History-World-Tour angekündigt.
In der Schule unterhielten wir uns im Freundeskreis darüber, daß es ein Open Air auf dem Hockenheimring geben würde, der allgemeine Tenor: “Ja, doch, da könnte man ja mal hingehen, bevor er auseinanderfällt”.

Ich war jung, Schülerin, konnte noch nicht Berge Geld in irgendwelche Eintrittskarten investieren… daher guckte ich auch erst mal blöd, als einige Tage später Freund M. in der Pause ankam, und mir eine Eintrittskarte fürs Jacko-Konzert entgegenstreckte. Stehplatz Innenraum, Hockenheimring. Ich glaube, es waren damals 80 Mark. Am Ende siegte die Neugier, die Vorfreude auf mein erstes riesiges Konzert und darauf, eine lebende Legende zu sehen.

Und so kam es dann, daß wir am 10. August 1997 zum Hockenheim fuhren. Schon früh am Nachmittag. In der brütenden Hitze saßen wir vorm Einlaß, wie man das so macht, im jugendlichen Wahnsinn. Wir schafften es recht weit nach vorne. Ich schätze, von den 82.000 anwesenden Fans waren etwa 79.000 hinter uns.

Und dann sahen wir ihn. Michael Jackson. Er lieferte eine Show, die den Titel “King of Pop” doch irgendwie rechtfertigte. Hits reihten sich an Hits, wir waren alle keine Mega-Fans, aber dennoch konnte niemand stillstehen, waren alle textsicher.
Jacko sang, tanzte und fasste sich in den Schritt. Zu “Earth Song” holte er, wenn mich nicht alles täuscht, einen Panzer auf die Bühne. Das Gitarren-Solo bei “Beat It” spielte Jennifer Batten, die Frau mit der Frisur, die aussah, als habe sie in eine Steckdose gefasst. Und im Vorprogramm spielten Tic Tac Toe.

Jetzt ist der King of Pop tot. Too Bad. Die Krone wird sich so schnell keiner mehr aufsetzen.

Noch vor zwei Wochen sagte ich in London zum Thema Comeback-Konzerte: “Machen wir uns nichts vor, der wird niemals die ganzen 50 Konzerte geben!”. Ich wünschte, ich hätte nicht Recht behalten.

Rest in Peace, Michael, in Deiner Musik wirst Du weiterleben. Ich hoffe, im Jenseits gibt es Spielzeug und Comics. Und grüß Elvis, Freddy Mercury und John Lennon von uns.

4 Kommentare »

  1. moz schreibt:

    bestimmt twittert demnächst jemand, Michael beim Einkaufen bei TacoBell zusammen mit Elvis gesehen zu haben… ;-))

    30. Jun. 2009 | #

  2. nedfuller schreibt:

    Der Held meiner Jugend ist gestorben!

    Wir haben stundenlang sein ersten Live Auftritt mit Billie Jean auf Video geguckt. Die Wahnsinnigen Moves in Zeitlupe versucht zu verstehen und nachzutanzen.

    Ich war 1997 in (da wo es nach Fisch stinkt und die Weser einen Bogen drum macht) und war begeistert! Dies Konzert werde ich nie vergessen.

    30. Jun. 2009 | #

  3. pleitegeiger schreibt:

    @moz Würde mich nicht wundern. Aber ich glaub nicht jedem alles… :-p

    @nedfuller Ja, live hatte er wirklich eine unglaubliche Energie und Ausstrahlung. Auch, wenn ich die Nachfolge-Alben nicht mehr gekauft habe und nur so lala fand – das Konzert gehört definitiv zu meinen tollsten Live-Erlebnissen!

    30. Jun. 2009 | #

  4. Curi0us schreibt:

    Hmmm… ich hatte neulich noch rumgealbert, dass diejenigen, die sich die Konzerttickets für die 50 in London kaufen, doch nur darauf spekulieren, dass gerade sie es sind, die live dabei sind, wenn er tot von der Bühne fällt. Hätte ich geahnt, wie dicht ich an der Wahrheit liege.

    Obwohl ich nie ein Fan war hätte ich ihn wohl gerne mal Live erlebt, obwohl mir die meisten seiner Lieder nicht gefielen hat er unbestreitbar einige *richtige* Highlights gebracht. Und klar, ich saß bei Thriller von meinen Eltern genehmigt “nachts” (um 22:00?) vor der Glotze und hab auf die Formel1-Sondersendung gewartet…Krass. Irgendwie.. R.I.P.

    30. Jun. 2009 | #

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